1. Alyscamps
Ein Spaziergang über diese von Bäumen gesäumte Allee gleicht weniger einem Friedhofsbesuch als einem Schritt in ein Gemälde. Die Reihen der Sarkophage, meist leer und von jahrhundertelanger provenzalischer Sonne verwittert, säumen den Weg zur Kirche Saint-Honorat. Dieser stille, fast melancholische Ort faszinierte schon Van Gogh und Gauguin. Sie stellten hier ihre Staffeleien auf, um das goldene Herbstlicht einzufangen. Der Lärm der Stadt verstummt, je tiefer man in die Nekropole vordringt. Zurück bleibt nur das Knirschen des Kieses unter den Schuhen und der Wind in den Pappeln.
Während viele Touristen die römische Arena vorziehen, zeigt dieser Ort eine andere Art von Geschichte. Die Atmosphäre wirkt intim und leicht verlassen. Man sucht hier vergeblich nach perfekter Pflege. Das Gras wächst hoch um die Gräber, und Moos bedeckt die Steine. Genau diese fehlende Politur macht den Reiz aus. Man sitzt auf einer Bank und beobachtet das Lichtspiel durch die Blätter, ganz ohne den Druck einer Führung oder das Gedränge der Massen. Hier geht man langsam, denkt nach und hakt keine Liste ab.
Wer die großen römischen Bauwerke bereits kennt, findet hier den nötigen Gegenpol. Die mittelalterliche Schicht der Stadt tritt zutage, die oft von den kaiserlichen Ruinen verdeckt wird. Im Gegensatz zu den wuchtigen Sehenswürdigkeiten in Arles, die durch ihre schiere Größe Aufmerksamkeit einfordern, verlangt Alyscamps etwas Geduld. Die Kirche am Ende ist oft verschlossen oder wird renoviert. Der Weg dorthin bildet das eigentliche Ziel und bietet eine seltene Insel der Ruhe direkt vor den alten Stadtmauern.