1. Cava de Viriato
Das ist vielleicht der verwirrendste und eigenartigste Ort der Stadt. Es ist keine Burg im klassischen Sinne, sondern eine riesige, achteckige Erdwallanlage, umgeben von einem tiefen Graben. Jahrhundertelang glaubten die Einheimischen, es sei das Lager von Viriato gewesen, dem lusitanischen Anführer, der sich gegen Rom wehrte. Die moderne Archäologie geht eher von einem römischen Militärlager oder einer unvollendeten islamischen Festungsstadt aus. Die Dimensionen sind gewaltig. Wenn man in der Mitte steht, verschwindet die moderne Stadt hinter den hohen, baumbestandenen Erdwällen.
Es gibt hier keine Kassenhäuschen oder Führungen. Im Grunde ist es ein geometrischer Waldpark. Da keine Steinstrukturen vorhanden sind, muss man seine Vorstellungskraft nutzen. Stell dir die Tausenden von Soldaten vor, die diese Anlage gefüllt hätten. Eine Bronzestatue von Viriato hält Wache. Diese nationalistische Bildsprache ist zum Standard-Fotomotiv des Ortes geworden, auch wenn die historische Verbindung wackelt.
Die Anlage liegt nördlich des Zentrums und hebt sich von den mittelalterlichen Sehenswürdigkeiten in Viseu ab. Man kommt hierher, um die strategische Bedeutung dieses Gebiets zu verstehen. Die Schatten sind lang, und die feuchte Erde riecht nach Kiefern und Eukalyptus. Ein Ort, um spazieren zu gehen und über die Schichten der Geschichte nachzudenken, die keine Steinruinen hinterlassen haben.