1. Cathédrale Saint-Martin
Wenn man auf dem Platz steht, muss man den Kopf weit in den Nacken legen, um die Größe dieser Stiftskirche zu erfassen. Wegen ihrer gewaltigen Ausmaße halten viele sie für eine Kathedrale. Die Gelb- und Rosatöne des Sandsteins verändern sich mit dem Sonnenlicht und verleihen der schweren Gotik eine unerwartete Wärme. Man sollte den Blick bis zu den Dachziegeln schweifen lassen, deren grün-goldene Muster typisch für die Region sind, hier aber mit besonderem Stolz gefertigt wurden.
Im Inneren ändert sich die Stimmung völlig. Der Raum ist weit und schattig, das Licht fällt durch Glasfenster aus dem 13. Jahrhundert. Es fühlt sich bewohnt und feierlich an, ein starker Kontrast zu den belebten Cafés direkt vor der Tür. Anders als viele klinisch reine Denkmäler riecht es hier nach altem Stein und Weihrauch – ein Zeichen dafür, dass hier seit über achthundert Jahren gebetet wird.
Die meisten Besucher zieht es zuerst hierher, aber man sollte nicht nur die Fassade anstarrren. Gehen Sie um den Chor herum, wo die Wasserspeier aggressiv in den Himmel ragen. Mit etwas Glück sieht man ein Storchennest auf einer Fiale – ein lebendiges Symbol für das Elsass, das die Kirche für sich beansprucht.