1. Basilique Saint-Remi
Während die Kathedrale den Ruhm einheimst, bewahrt diese Basilika die Seele der Stadt. Sie ist älter, dunkler und oft deutlich ruhiger als ihr königliches Gegenstück. Hier herrscht eine romanische Schwere vor, die alt und erdverbunden wirkt. Das riesige Innere wurde gebaut, um die heilige Ampulle für die Krönungen und die Reliquien des Heiligen Remigius aufzunehmen. Wer durch das Kirchenschiff geht, erlebt den Übergang vom dämmrigen Eingang mit seinen dicken Mauern zum hohen, lichtdurchfluteten gotischen Chor wie einen Aufstieg.
In den Seitenschiffen zeigt sich eine vielschichtige Geschichte aus Zerstörung und Wiederaufbau. Wie vieles in der Stadt hat auch die Basilika in den Kriegen schwer gelitten, aber die Restaurierung wurde so behutsam durchgeführt, dass die Narben heute einfach dazugehören. Sie liegt etwas abseits der Hauptattraktionen im Zentrum, was sie vor den großen Touristenbussen schützt. Man hört hier tatsächlich noch die eigenen Schritte auf dem Steinboden – bei einer Kirche dieser Größe ist das selten.
Die Glasmalereien aus dem 12. Jahrhundert im Chor sollte man sich nicht entgehen lassen; sie haben die Jahrhunderte überstanden. Die Atmosphäre ist weniger auf Fotos von Königen ausgerichtet, sondern auf das Gewicht der Zeit. Die Basilika bildet das nötige Gegengewicht zum polierten Glanz der Innenstadt. Hier wirkt die Religionsgeschichte Frankreichs greifbar und nicht nur wie eine Inszenierung.